Weihnachtsmärkte: Oft sind sie keine Inspiration mehr

Mit dem Herbstbeginn und den fallenden Blättern beginne ich auch wieder öfter über Weihnachten nachzudenken: Wie feiern wir dieses Jahr eigentlich? Wer wird eingeladen? Wo holen wir den Baum? Das sind zum Beispiel Gedanken, die mir so nebenher und unwillkürlich durch den Kopf gehen. Aber ein Gedanke drängt sich mir nun bereits seit einigen Jahren um diese Zeit auf. Weihnachtsmärkte. Einerseits ist da die Vorfreude und die positiven Erinnerungen, die ich mit den Märkten meiner Jugend oder des jungen Erwachsenenlebens verbinde. Auf der anderen Seite macht mich der Gedanke so überhaupt nicht mehr an.
Als Weihnachtsmarktfan vermisse ich in den letzten Jahren die Klasse. Während die Masse an Weihnachtsmärkten – gefühlt – weiter zunimmt, nimmt die Qualität leider ab. Früher hatte allenfalls eine größere Stadt einen Weihnachtsmarkt. Er war also schon eine Besonderheit und entsprechend individuell bestückt. Heute ist es nicht nur so, dass größere Städte oft mehrere Weihnachtsmärkte haben – Berlin z.B. über 40 (!) – und diese auch manchmal von Ewigkeitssonntag bis Neujahr dauern. Diese Weihnachtsmärkte sind auch noch alle gleich besetzt. Dieselben Händler und Würstchenbrater auf jedem größeren Weihnachtsmarkt. Einfach nur langweilig.

Und wie stellt sich das auf dem Land dar? Hier ist es leider so, dass oft mit wenig Ehrgeiz und Sachverstand an die Sache rangegangen wird. Potential wird verschenkt. Diese kleinen Weihnachtsmärkte dauern wohltuenderweise oft nur ein Adventswochenende. Man sollte also meinen, dass seitens Veranstalter – oft die Stadtverwaltung – auch genügend Herzblut in eine so begrenzte Veranstaltung reingelegt werden könnte. Die Ergebnisse sind aber leider sehr bescheiden. Ein paar Fressstände, ein paar Adventsschmuckstände – übertrieben dargestellt, zugegeben – und das war’s dann. Wenn Weihnachtsmärkte sogar wie schlecht geschmückte Jahrmärkte daherkommen, dient das noch weniger, um mich hinter dem Ofen hervor zu holen. Davon, dass sich benachbarte Ortschaften nicht wegen des Termins abstimmen und alle Märkte am ersten oder zweiten Advent stattfinden, will ich noch gar nicht sprechen. Es wirkt so, als ginge es nur darum, dass der Weihnachtsmarkt um seiner selbst Willen veranstaltet wird.

Schade drum.

Gerechterweise muss ich aber hinzufügen: es gibt noch Perlen unter den Weihnachtsmärkten. Man muss sie aber suchen und finden.

Der Weihnachtsmarkt – zwischen Menschenmassen und Hüttengaudi

Liebe Leute, ich habe mich am Wochende ertappt. Ich muss mir eingestehen, dass mir der gemeine Weihnachtsmarkt, wie es ihn beinahe überall gibt, nicht mehr gefällt. Jahrelang war ich nun wohl schon mit diesem diffusen Gefühl unterwegs und wollte es einfach nicht wahrhaben: Weihnachtsidylle, Nostalgie, kindliche Emotionen gibt es nicht mehr oft auf diesen Märkten, auf denen die Glühweinstände alles andere zu dominieren scheinen. Entweder bleibt die Idylle mit Lichterglanz auf der Strecke, dann nämlich, wenn ich es vorziehe, morgens unter der Woche, den Markt zu besuchen. Oder man wird im Strom über den Markt gespült, ohne Chance, an die Stände zu kommen, etwas zu sehen. Geschweige denn, etwas zu kaufen. Was nützt da dann der Lichterglanz?! Der Afterwork-Glühweinevent wie er allerorten heute stattfindet, mag seine Berechtigung haben und auch das Leben auf seine Art bereichern. Mit Weihnachtsmarkt hat das aber nur noch im Ansatz etwas zu tun. Ich mag nun ein unverbesserlicher Nostalgiker sein, der nicht erkennt, dass er mit seiner Sehnsucht nach Weihnachtsidylle einem modernen Mythos verfällt. Ok, mag sein. Würde ich momentan sofort glauben, wenn ich nicht genau wüsste, dass es anders geht. Dass es dieses süchtigmachende Gefühl der Weihnachtsidylle nicht gibt. Ich hab es auch in den letzten Jahren erlebt und bilde mir ein, dass ich es nun auf jedem Markt haben muss. Das aber ist dann der Mythos. Da war ich wohl wie Ahab auf der Jagd nach Moby Dick ;-). Hier noch die Perlen zu finden, ist die Herausforderung. Mein Favorit: der Straßburger Weihnachtsmarkt nachmittags an Heilig Abend. Er hat bis 15 oder 16 Uhr geöffnet. Wenn der Baum steht, alles für den Abend bereit ist, – „Klappe zu, Affe tot“ singt Reinhard Mey zum Thema -, dann gibt es nichts „Geileres“ in Sachen „eins sein mit Weihnachten“. Wenn dann noch ein paar Flocken fallen: oh my god!!!!
Aber es geht auch ganz anders. Und der Eine oder Andere wird jetzt erstmal zucken. Aber, ob Sie es glauben, oder nicht: nicht ganz perfekte, weil künstlich, aber doch ganz nette Idylle gibt es auf dem Weihnachtsmarkt im Europa Park. Hier ist zwar wie auf allen Weihnachtsmärkten der Kommerz die Triebfeder. Hier ist aber Idylle und Nostalgie Teil des Konzepts. Die Menschenmassen verlaufen sich, überbordender Lichterglanz und die Qualität der Stände auf mindestens gleichem Niveau. Keine trinkfesten Feiergruppen um die Glühweinstände, hohe Qualität bei Grillwurst und gebrannter Mandel. Weihnachtsmann und Freunde kreuzen die Wege. Als Erwachsener mag man mit den Augen rollen. Aber was ist denn der wahre Grund für sie Sehnsucht nach Weihnachtsidylle? Doch wohl die damit verbunde Sehnsucht nach der eigenen Kindheit. Zumindest dann, wenn die Eltern alles richtig gemacht haben.

Kein Weihnachtsmarkt 2011 in Seiffen?

Das kann ja wohl nicht sein. Die Freie Presse in Sachsen meldet heute, dass der Weihnachtsmarkt in Seiffen dieses Jahr evtl. nicht stattfinden kann. Offensichtlich gibt es zwischen der Gemeinde Seiffen und dem Tourismusverein Unstimmigkeiten wegen der Pacht. Die Gemeinde verlange wohl 34.000 Euro, welche der Tourismusverein nicht für realistisch hält.
Leute in Seiffen: Ihr werdet das doch wohl geregelt bekommen. Das Vorzeigeweihnachtsdorf Deutschlands ohne Weihnachtsmarkt wäre ja wie Weihnachten ohne Weihnachtsbaum und Gänsebraten. Das geht gar nicht. Also kleiner Appell aus dem Schwarzwald: reißt Euch mal alle zusammen! Ich wollte dieses Jahr mal wieder vorbeischauen.