Alle Jahre wieder … Störche über Störche

In meiner Kindheit war der Storch ein Mythos. Riesige, alte, aber leere Nester auf den Kirchendächern der Region dienten als Zeugnis dafür, dass sie einst da gewesen waren. Gleichsam wie fossile Knochen die Existenz von Dinosauriern vor Jahrmillionen belegen.

17 Storchen-Paare gab es damals noch in ganz Baden-Württemberg, hörte ich dieser Tage. Und hätte mir damals jemand prophezeit, dass ich in meinem 50. Lebensjahr auf meinem Fahrradweg zur und von der Arbeit Störche über Störche beobachten könnte, ich hätte ihn oder sie ungläubig angestarrt.

Aber wie schön ist das, wenn morgens 30 Störche und 6 Graureiher gemeinsam ihr „Frühstück“ auf einer Wiese einnehmen?! Ein tolles Naturerlebnis, welches zu meiner allgemeinen Zufriedenheit beiträgt.

Hoffentlich sind die Störche auch in 50 Jahren noch da. Ich wünsche es unseren Nachfahren.

Schnee am 3. Advent

Wie ein Schneekönig habe ich mich heute morgen gefreut, als ich den Rollladen hochgezogen habe und die weiße Welt erblickte. Wann war denn das letztes Mal der Fall? Ich glaube vor ca. 40 Jahren. Es gab noch keine allgegenwärtige und so gute Wettervorhersage. Und als Kind verstand ich die Zusammenhänge sowieso noch nicht. Da war in der Vorweihnachtszeit die Hoffnung auf Schnee jeden Morgen aufs neue da. Egal, wie warm es war. Natürlich wurde diese Hoffnung sehr, sehr oft enttäuscht, aber manchmal klappte es auch. Und ich bilde mir ein, dass ich hüpfend auf dem Bett meiner Freude Ausdruck verliehen habe, wenn mein Vater den Rolladen mit der Nachricht „es schneit“ hochgezogen hat.

Heute habe bin ich zwar nicht auf dem Bett rumgehüpft. Mein Vater kam ja schließlich auch nicht rein, ich musste den Laden selbst hochziehen. Meine Frau hätte sich wahrscheinlich bedankt :-).

Aber gefreut habe ich mich riesig, da ich damit gar nicht gerechnet hatte. In den Apps und Wettervorhersagen war die weiße Pracht nicht abzusehen.

Und so ist es heute nahezu ein perfekter 3. Advent. Schneespaziergang mit Frau und Patou, unserem alten Labrador. Heißen Kakao und frische Brötchen zum Frühstück, Zeitung bei drehender, leuchtender Pyramide, der leuchtende Adventskranz, ein rauchender Räuchermann und Wintersport im Fernsehen. Mein Idyll für Adventssonntage.

Da ertrage ich es doch mit Fassung, dass der Schnee heute Mittag wieder weg sein wird und die nächsten Tage nass und mild werden sollen. Halt wie eigentlich immer.

Juchuuu!!!! Inversionswetterlage!!!

Wenn man in der Rheinebene lebt, gleichzeitig jedoch ein Winterwetter-Weihnachtsfan ist, muss man lernen, mit den alle Jahre wieder auftretenden Enttäuschungen zu leben. Als Jugendlicher habe ich von meinem ersten selbst verdienten Geld als Jobber im Europa Park, 1985 in den Sommerferien war das, eine Uhr von Citizen gekauft. AnaDigiTemp hieß sie. 250 D-Mark hat sie gekostet und besaß allerlei Schnickschnack. Stoppuhr und so weiter. Heute würde man sie Smartwatch nennen ;-). Die Besonderheit aber war ein eingebautes Thermometer. Fahrenheit und Celsius konnte sie und sie zeigte die Außentemperatur aufs 10tel genau. Im Sommer brauchte ich diese Funktion nicht. Einzig und allein im Dezember, allenfalls im restlichen Winter, war das Thermometer für mich interessant.

Damals gab es ja nur die ungenaue Wettervorhersage im Fernsehen oder Radio. Die Möglichkeiten des heutigen Internet mit 16 Tage Aussicht und Darstellung von Tendenzen waren damals noch SciFi. Heute wird mir ja oft schon Tage oder Wochen vor Weihnachten der Zahn im Hinblick auf weiße Weihnachten gezogen. Damals aber starb die Hoffnung zuletzt. Ich erinnere mich, dass ich meine AnaDigiTemp jeden Abend auf das äußere Fensterbrett meines Jugendzimmers legte und versuchte, eine Tendenz des Wetters zu erkennen. Damals im Dezember habe ich bestimmt genau so oft auf das Display dieser Uhr geschaut, wie heute auf das meines Smartphones. Irgendwie war das immer spannend, wenngleich die Enttäuschung zwar langsamer,  jedoch mit fortschreitendem Advent genauso groß wurde, wie sie heute jedes Mal immer noch ist.

Zwar gibt es auch bei uns alle paar Jahre etwas Schnee in der Adventszeit oder sogar rund um Weihnachten. Ich erinnere mich da an die Jahre 1986 mit leichtem Schneefall an Heilig Abend, 1997 mit einsetzendem Schneefall am 23. Dezember und „jüngst“, 2010, als nach dem Heilig Abend – Menü starker Schneefall einsetzte und zumindest der 1. Weihnachtstag richtig winterlich daherkam (am 2.Feiertag  begann es leider schon wieder zu tauen). Allerdings sind ein paar kalte Tage, meist zu Beginn des Advents, üblicherweise das Höchste der Gefühle.

Aber manchmal gibt es Inversionswetterlage. Der Oberrhein ist dann in Nebel gehüllt, während weiter oben die Sonne bei oft milden Temperaturen scheint. Im Nebel kann es bitterkalt sein, die Landschaft ist durch Rauhreif weiß gefärbt. Das geht dann manchmal Tage lang und mit der Zeit rieselt der Reif auf den Boden und es mutet an, als hätte es geschneit. Diese Wetterlage herrscht gerade und die Adventsidylle könnte damit kompletter nicht sein. Und wenn ich ehrlich bin: bis auf die gefährliche Straßenglätte am Morgen sind Rauhreif, Nebel und Kälte das schönere Winterwetter. Ok, jetzt beginne ich, es mir schön zu reden. Ich geb’s zu. Schneetreiben oder auch nur leichtes Flöckeln würde ich dann doch vorziehen. Wenn man das aber nicht haben kann, ist Inversionswetter eine tolle Alternative. Urteilen Sie selbst. Die Bilder auf dieser Seite stammen vom 07.12.2016.

Unser Labbi Patou

Das Weihnachtsoratorium – einer meiner Anker

Heute war es soweit. Ich habe auf meiner Heimfahrt von der Arbeit das erste Mal in diesem Jahr das Weihnachtsoratorium gehört. Dieser Moment ist in jedem Jahr ein ganz besonderer. Ein Moment wie der erste Schluck Kaffee am Morgen oder – noch besser – der erste Schluck Hefeweizen an einem heißen Sommertag. Und ich ertappe mich dabei wie ich voller Inbrunst und Wort für Wort „Jauchzet, frohlocket“ und „Großer Herr“ mitschmettere und „Ich steh‘ an deiner Krippen hier“ erfüllt mich immer wieder beinahe meditativer Kraft, wenn ich die Bassstimme mitsinge. Und ich staune dabei, wie selbstverständlich mir die Worte  über die Lippen gehen, dass ich das alles auswendig kann. Ein Jahr nicht daran gedacht und doch ist alles sofort wieder da. Aber eine Erkenntnis rührt mich auch jedes erste Mal: das Weihnachtsoratorium ist Teil meiner Identität. Ich bin damit aufgewachsen und wenn ich es höre, bin ich meiner Familie so nah wie selten übers Jahr. Weihnachten, Bach, Holzkunst aus dem Erzgebirge, Räucherkerzenduft bilden ein Band zwischen uns und sind beinahe Teil unserer gemeinsamen DNA. 

Manchmal ist es geradezu überwältigend, welch schöne Erinnerungen nur durch das Weihnachtsoratorium in mir hervorgerufen werden. 

Alle Jahre wieder … – langsam geht es los

Na klar, im Einzelhandel ist ne ganze Weile „schon wieder Weihnachten“. Dass aber am Sonntag in einer Woche bereits der 1. Advent ist, habe ich mir erst gestern bewusst gemacht. Vor allem deswegen, weil Weihnachtsmusik lief, als ich nach Hause kam. Also genau genommen hat mich meine Frau darauf aufmerksam gemacht. Sie war bereits am Plätzchen Backen. Und das geht selbstverständlich nur mit Weihnachtsmusik. Sonst werden die Plätzchen nichts. Als ich mit gespielter Empörung die Augenbrauen rümpfte und kurz überlegte, fiel’s mir dann auf. Es geht wieder los. Das WO (!) rückt gedanklich in den Vordergrund, Plätzchenduft umschmeichelt die Nase, Tannenreisig wird bestellt. Alles untrügliche Zeichen dafür, dass ich auch meine Weihnachtstasse fürs Geschäft raus suchen muss. Oder vielleicht endlich eine neue kaufen sollte. Das nehme ich mir nämlich auch schon alle Jahre wieder vor. Mal sehen, ob ich es schaffe. Ich werde sie hier dann präsentieren.

Alle Jahre wieder… der Sommer im Spiegel, der im Spiegel…

Auch so ein jährlich wiederkehrender Gedanke. Im Mai denke ich: Jaaaa, ich hab den ganzen Sommer noch vor mir. Gleichzeitig schwingt aber der Gedanke schon mit: aber trotzdem ist bald Ende August und ich werde denken, dass doch grade erst Mai war, als ich dachte … usw.
Schade, der Sommer, diesmal unsäglich heiß bei uns im Südwesten, neigt sich langsam gegen Ende.
Aber schon gemerkt: die ersten Lebkuchen stehen in den Regalen. Ach, und die Bundesliga geht wieder los. Yippieh. 🙂

Alle Jahre wieder… Käuzchen Klaus-Eddi

Hu-huhu-huuu. Ich liebe die Edgar-Wallace-Filme der 60er Jahre. Zur Zeit werde ich allabendlich daran erinnert, wenn „unser“ in der ländlichen Nachbarschaft beheimatetes Käuzchen – wir haben es Klaus-Edy genannt, quasi als Hommage an Klaus Kinski, Edgar Wallace und Eddi Arent – seine nächtlichen Rufe verlauten lässt. Herrlich. Früher dachte ich ja, dass das in den Filmen arg überzogen dargestellt wird. Aber mitnichten. Neulich Nacht, auf dem Heimweg von der Vereinssitzung, entlang dem idyllisch verlaufenden Pfad am städtischen Flüsschen – ein Segen, dass es heute Handytaschenlampen gibt – , leichtes Rauschen der Blätter im Wind, die laue Sommerluft etwas mit Ziegenduft aus der Nähe durchzogen, hab ich’s wieder vernommen: jenes lächerlich klischeehafte aber so schön natürliche hu-huhu-huuu, mit dem Käuzchen Klaus-Eddi die Stille der Nacht durchdringt. Ab und zu unterbrochen durch die in irgendeinem nahen Gebüsch sitzende und trällernde „Julia“ ;-).

Zwischen den Jahren

Jetzt schneit es doch noch. Richtig heftig. Und eisig kalt ist es draußen. Wie oft hätte ich mich in den letzten Jahren mit „Winter zwischen den Jahren“ zufrieden gegeben, wenn er zu Weihnachten selbst schon schiere Utopie geworden ist? Zumindest bei uns am Oberrhein. Aber auch zwischen den Jahren war Winter in den letzten Jahren ein eher rares Gut. Ich gebe mich keiner Illusion hin, dass das jetzt länger anhält. Umso mehr genieße ich diesen Moment, der mich an einen Tag in meiner Kindheit erinnert; draußen Schnee, der Baum ist beleuchtet (damals mit echten Kerzen), Räucherkerzen rauchen und im Fernsehen läuft die Vierschanzentournee. Genauso erlebe ich das heute. Gut: die Räucherkerze habe ich der Perfektion des Moments wegen gerade erst angemacht und ich habe noch eine Tasse Kaffee hier stehen. Als Kind habe ich ja keinen Kaffee getrunken. Ja klar. Die Kerzen sind LEDs gewichen. Aber trotzdem. Ein für mich denkwürdiger Moment.

Einen guten Rutsch allen Weihnachtsfans und ein gesundes neues Jahr 2015