Juchuuu!!!! Inversionswetterlage!!!

Wenn man in der Rheinebene lebt, gleichzeitig jedoch ein Winterwetter-Weihnachtsfan ist, muss man lernen, mit den alle Jahre wieder auftretenden Enttäuschungen zu leben. Als Jugendlicher habe ich von meinem ersten selbst verdienten Geld als Jobber im Europa Park, 1985 in den Sommerferien war das, eine Uhr von Citizen gekauft. AnaDigiTemp hieß sie. 250 D-Mark hat sie gekostet und besaß allerlei Schnickschnack. Stoppuhr und so weiter. Heute würde man sie Smartwatch nennen ;-). Die Besonderheit aber war ein eingebautes Thermometer. Fahrenheit und Celsius konnte sie und sie zeigte die Außentemperatur aufs 10tel genau. Im Sommer brauchte ich diese Funktion nicht. Einzig und allein im Dezember, allenfalls im restlichen Winter, war das Thermometer für mich interessant.

Damals gab es ja nur die ungenaue Wettervorhersage im Fernsehen oder Radio. Die Möglichkeiten des heutigen Internet mit 16 Tage Aussicht und Darstellung von Tendenzen waren damals noch SciFi. Heute wird mir ja oft schon Tage oder Wochen vor Weihnachten der Zahn im Hinblick auf weiße Weihnachten gezogen. Damals aber starb die Hoffnung zuletzt. Ich erinnere mich, dass ich meine AnaDigiTemp jeden Abend auf das äußere Fensterbrett meines Jugendzimmers legte und versuchte, eine Tendenz des Wetters zu erkennen. Damals im Dezember habe ich bestimmt genau so oft auf das Display dieser Uhr geschaut, wie heute auf das meines Smartphones. Irgendwie war das immer spannend, wenngleich die Enttäuschung zwar langsamer,  jedoch mit fortschreitendem Advent genauso groß wurde, wie sie heute jedes Mal immer noch ist.

Zwar gibt es auch bei uns alle paar Jahre etwas Schnee in der Adventszeit oder sogar rund um Weihnachten. Ich erinnere mich da an die Jahre 1986 mit leichtem Schneefall an Heilig Abend, 1997 mit einsetzendem Schneefall am 23. Dezember und „jüngst“, 2010, als nach dem Heilig Abend – Menü starker Schneefall einsetzte und zumindest der 1. Weihnachtstag richtig winterlich daherkam (am 2.Feiertag  begann es leider schon wieder zu tauen). Allerdings sind ein paar kalte Tage, meist zu Beginn des Advents, üblicherweise das Höchste der Gefühle.

Aber manchmal gibt es Inversionswetterlage. Der Oberrhein ist dann in Nebel gehüllt, während weiter oben die Sonne bei oft milden Temperaturen scheint. Im Nebel kann es bitterkalt sein, die Landschaft ist durch Rauhreif weiß gefärbt. Das geht dann manchmal Tage lang und mit der Zeit rieselt der Reif auf den Boden und es mutet an, als hätte es geschneit. Diese Wetterlage herrscht gerade und die Adventsidylle könnte damit kompletter nicht sein. Und wenn ich ehrlich bin: bis auf die gefährliche Straßenglätte am Morgen sind Rauhreif, Nebel und Kälte das schönere Winterwetter. Ok, jetzt beginne ich, es mir schön zu reden. Ich geb’s zu. Schneetreiben oder auch nur leichtes Flöckeln würde ich dann doch vorziehen. Wenn man das aber nicht haben kann, ist Inversionswetter eine tolle Alternative. Urteilen Sie selbst. Die Bilder auf dieser Seite stammen vom 07.12.2016.

Unser Labbi Patou