Räuchermännchen, Original Erzgebirge, bei Aldi Süd

So richtig weiß ich ja nicht, was ich davon halten soll, wenn nun auch schon Aldi original erzgebirgische Holzkunst verkauft. Aber wahrscheinlich ist es eine gute Sache. Zumindest, wenn so die billigen Imitate aus Fernost aus den Läden rausgehalten werden können und die Drechsler und Schnitzer im Erzgebirge, oft Familienbetriebe mit langer Tradition, ihre Arbeit ordentlich entlohnt bekommen. Nun sind die Modelle, die es ab dem 09.11. in den Aldi-Filialen zu kaufen gibt, optisch eher bieder. Wenn es sich aber um qualitativ hochwertige Handarbeit handelt, erhält der Käufer solide und hoffentlich funktionierende Produkte. Ich hoffe, dass der niedrige Preis keine schlechtere Qualität zur Folge hat und das Label „Original Erzgebirge“ darunter leidet.

Hier geht es zum entsprechenden Online-Angebot von Aldi-Süd.

Mein Petrus und seine Geschichte

In den Jahren vor der Wende wurde Holzkunst aus dem Erzgebirge so ganz langsam auch im Westen bekannter. Während man Räuchermännchen und Schwibbogen bis dahin nur in speziell ausgerichteten Geschenkeläden bekam, dessen Betreiber meistens aus Sachsen stammte, begannen Mitte der 80er Jahre auch erstmals Kaufhäuser damit, die Originale aus dem Erzgebirge zu verkaufen. Schlechte und billige Imitate aus Fernost waren zu jener Zeit schon auf den Weihnachtsmärkten und in den Regalen zu entdecken.

Meine Brüder, mein Vater und ich zogen in jener Zeit auch immer wieder um die Weihnachtszeit los, um evtl. Schnäppchen zu machen. Denn zu unserem und vielleicht auch anderer Leute Glück, kannten die Händler und Verkäufer den Unterschied zwischen Original aus dem Erzgebirge und Imitat aus Fernost nicht. Geschweige denn, dass er einen normalen Verkäufer bei Hertie überhaupt interessiert hätte. Und so standen Originale zwischen Imitaten und waren – speziell in diesem Kaufhaus – Jahr für Jahr falsch, weil zu billig, ausgezeichnet. Das war aber noch nicht alles: bereits kurz vor Weihnachten wurden die Artikel zum Teil erheblich runtergesetzt. In den Jahren 1987 bis 1990 erstanden wir so diverse Pyramiden, Räuchermännchen und Schwibbögen zu Spottpreisen.

So auch meinen großen Petrus. 1989 war das. Es war kurz vor Weihnachten, die Preise waren bereits herabgesetzt. Ich weiß nicht mehr, wieviel der Petrus kosten sollte, bekam ihn aber erheblich billiger (als zum bereits herabgesetzten Preis). Hertie wollte „das Zeug“ los haben und leider fehlte die Pfeife. Ein Mitarbeiter machte sich im Lager zwar noch auf die Suche, war aber erfolglos.

Im Jahr drauf erledigte ich meine Weihnachtseinkäufe zwischen zwei Unterrichtsstunden (ich hatte gerade mit meinem Studium begonnen). Mein Weg führte mich auch zu Hertie in Freiburg. Schon auf der Rolltreppe – und daran erinnere ich mich wirklich ganz genau – fiel mir der Petrus und die fehlende Pfeife ein und irgendwie wusste ich sofort, dass ich sie an diesem Tag bekommen würde. Ich wusste nämlich auch aus den Vorjahren, dass Hertie die nicht verkauften Teile aus dem Vorjahr immer wieder in den Folgejahren in die Auslage stellte. Das war dann wie ein 6er im Lotto als ich um die Regale herumschlich und zwischen all den echten und unechten Räuchermännchen die Pfeife liegen sah. Können Sie sich dieses Gefühl vorstellen? Yesssss! Ich muss gegrinst haben wie ein Honigkuchenpferd. Und der Verkäufer hat mich vielleicht blöd angeschaut als ich die Pfeife für damals eine Mark kaufte. Man sah förmlich die Fragezeichen über seinem Kopf.

Und seit dem ist der 35cm große Petrus mein Lieblingsräuchermann. Und eigentlich auch der einzige, der rauche darf ;-).

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