Das Weihnachtsoratorium – einer meiner Anker

Heute war es soweit. Ich habe auf meiner Heimfahrt von der Arbeit das erste Mal in diesem Jahr das Weihnachtsoratorium gehört. Dieser Moment ist in jedem Jahr ein ganz besonderer. Ein Moment wie der erste Schluck Kaffee am Morgen oder – noch besser – der erste Schluck Hefeweizen an einem heißen Sommertag. Und ich ertappe mich dabei wie ich voller Inbrunst und Wort für Wort „Jauchzet, frohlocket“ und „Großer Herr“ mitschmettere und „Ich steh‘ an deiner Krippen hier“ erfüllt mich immer wieder beinahe meditativer Kraft, wenn ich die Bassstimme mitsinge. Und ich staune dabei, wie selbstverständlich mir die Worte  über die Lippen gehen, dass ich das alles auswendig kann. Ein Jahr nicht daran gedacht und doch ist alles sofort wieder da. Aber eine Erkenntnis rührt mich auch jedes erste Mal: das Weihnachtsoratorium ist Teil meiner Identität. Ich bin damit aufgewachsen und wenn ich es höre, bin ich meiner Familie so nah wie selten übers Jahr. Weihnachten, Bach, Holzkunst aus dem Erzgebirge, Räucherkerzenduft bilden ein Band zwischen uns und sind beinahe Teil unserer gemeinsamen DNA. 

Manchmal ist es geradezu überwältigend, welch schöne Erinnerungen nur durch das Weihnachtsoratorium in mir hervorgerufen werden.